day 20: Notstand

IMG_3580Drei Straßen führen aus der tadschikischen Bergstadt Khorog.

Die erste ist der Pamir-Highway, eine Schotterpiste auf 4000 Meter Seehöhe, die durch die Pamir-Berge nach Kirgistan führt. Ein Erdrutsch hat den Fluß aufgestaut und die Wassermassen haben ein Dorf am Pamir-Highway überflutet. 60 Häuser wurden überschwemmt. Die Straße ist von Erde und Wasser blockiert, es gibt kein Durchkommen. Die Regierung schickt kaum Hilfe und die Pamiris haben vor, den Erddamm wegzusprengen. Bis jetzt ist noch nichts passiert.

Die zweite Straße führt in die Hauptstadt Duschanbe, doch auch da gibt es Probleme. Brücken stürzen ein, Flüsse treten über die Ufer und Muren gehen ab. Hier durchzukommen ist kaum möglich.

Der letzte Winter war sehr kalt und schneereich und dieser Sommer ist ungewöhnlich heiß. Die Schneemassen und die Gletscher schmelzen und reißen die Berge und Straßen mit sich. Tajikistan hat den Notstand für die Region ausgerufen.

Die dritte Straße führt nach Afghanistan.

Die Autorin dieser Zeilen sitzt also in Khorog fest. Ein Kleinstädtchen auf 2000 Metern in den Pamir-Bergen. Da man jedoch was erleben möchte, macht sie sich mit einem Kolumbianer namens Carlos zusammen auf ins Bartang-Tal. Sie fragt vorher in der Touristen-Information, ob es möglich ist, dort hinzukommen. „No, the roads are blocked“, sagt die Frau dort. Man macht sich trotzdem auf den Weg. Irgendwas wird schon passieren.

Das Bartangtal ist ca. 200 Meter breit, 195 Meter davon nimmt der Fluß ein, 5 Meter die Straße. Links und rechts gehen die braunen Berge hoch. Die Straße ist befahrbar, über eine Hängebrücke kommt man auf einen Wanderweg, der zu dem Dorf Jizev führt. Und obwohl die Straße nicht überflutet ist, ist nach einer Stunde wandern jetzt der Wanderweg unter riesigen Steinen und Wasser begraben. An Weitergehen ist nicht zu denken.

Die Dämmerung bricht schon an, man hat ein Zelt mit, ein bißchen Brot, Wasser gibt es genug aus den Gebirgsbächen. Da kommt auf einmal ein älteres Paar daher mit einem tadschikischen Guide. Sie kämen aus der Schweiz, sagen sie, und seien hier am Wandern. Unten beim Fluß warte ein Fahrer mit einem 4WD-Auto auf sie.

Lange Rede, kurzer Sinn: Carlos, ich, die Schweizer und der Guide steigen in das Auto ein und in zwei Stunden sind wir in Khaf, einem Dorf hoch oben auf einer Alm mit grünen Weiden und blauen Bächen. Von Muren und Überschwemmungen scheint hier noch niemand was bemerkt zu haben.

Hauptsache man kommt in Bewegung, irgendwas wird schon passieren.

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About Michaela Krimmer

35, anthropologist, Austrian, female

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