day 17: travellers

IMG_3528In Tadschikistan freut man sich über ein ausländisches Gesicht auf der Straße. Man sieht nämlich selten eines. In der Pamir Lodge in Khorog auf 2000 m Seehöhe mitten in den Pamir-Bergen kommen die Reisenden zusammen. Fast jeder ist ungewöhnlich. Der oder die „klassische/e“ Tourist/in kommt nicht nach Tadschikistan. Zu schlecht ist die touristische Infrastruktur, bzw. nicht vorhanden. Zu unbekannt ist das Land. Kirgistan macht eine einladende Politik: Touristen brauchen kein Visum, außerdem ist das Land grün und der Wandertourismus ist besser organisiert als in Tadschikstan. Der Nachbar Usbekistan braucht nicht viel Werbung zu machen. Er ist berühmt für Samarkand und Buchara und die alten Orte der Seidenstraße.

In der Pamirlodge treffen sich am Morgen, mittags und am Abend die Reisenden und tauschen sich aus. Da gibt es zum Beispiel:

Carlos aus Kolumbien,

ein Mann der in die Jahre gekommen ist, aber noch immer den jungen Mädchen nachschaut. Seine Haare und sein Gesicht sind grau geworden, sein Körper ist hager. Er reist für ein Jahr, 6 Monate war er in Indien und Nepal, jetzt ist er in Tadschikitsan.

Das Mühsamste auf seiner Reise war die Polizei in Bishkek in Kirgistan. Sie ist berüchtigt, Touristen ihr Geld zu stehlen. Auch Carlos haben sie angehalten. „Passport“, sagten die zwei Polizisten. Carlos wollte nicht seinen echten Pass hergeben, zu oft hatte er Geschichten gehört, dass Polizisten den Pass von TouristInnen behalten und die Leute auf die Wache mitnehmen. Dort nehmen sie dir dein Geld ab. Wenn du es nicht freiwillig hergibst, durchsuchen sie dich und machen eine Leibesvisitation. 400 Euro haben schon manche dort lassen.

Carlos zeigte also eine Kopie seines Passes her. Einer der Polizisten zeriss die Kopie in 8 Stücke knapp vor seinem Gesicht. Er wiederholte seine Worte: „Passport“.

Was tat Carlos? Er wurde sehr nervös. Aus Kolumbien kommend, einem Land das seit Jahrzehnten von Gewalt beherrscht ist und Gewalt instiutionalisert hat, hatte er Angst. Er stieß die beiden Polizisten zur Seite, lief in den Bazaar hinein und schrie aus voller Seele: „Help me! They are trying to kill me.“ Die Zeit schien still zu stehen, alle schauten und Carlos veschwand schnell im Getümmel der Einkaufenden. Die beiden Polizisten riefen Carlos nach: „We are goig to get you in Osh“.

Dann gibt es noch:

Ani aus Indien/ New York.

Sie unterrichtet Physik an der Uni in New York. Ihr Spezialgebiet ist Nuklearphysik, doch sie ist der Protonen und Quarks und sonstigem müde geworden. Einen Tag nach Uni-Schluss packt sie ihre Tasche und bricht auf: nach Guatemala, in den Amazonas oder diesmal nach Zentralasien. Sie liebt es in anderen Kulturen zu versinken. In Usbekistan kaufte sie sich das traditionelle Gewand der Faruen dort und versuchte Usbekisch zu reden. Die Leute schauten sie an und fragten, ob sie aus der Türkei sein. In Tadschikistan versucht sie Tadschikisch zu rden. Die Leute schauen sie an und fragen, ob sie aus dem Iran sein.

Thomas aus Bayern.

Thomas ist vor 14 Monaten auf sein Rad gestiegen und seitdem unterwegs. Seine Freunde haben gescherzt als er losgeradelt ist. „Thomas is looking for a woman“ sollte der Titel für diese Reise sein. Er ist wohl der einzige Radfahrer in dieser Gegend, der ohne eine Kochausrüstung unterwegs ist. Seit der Türkei hat er Gastritis.

Claudio aus Italien, Gal aus Israel, Yuen aus Korea, Orly aus Israel, Heike aus Deutschland, Javas aus Iran.

Sam aus Australien bzw. England.

Sam hat Fotografie studiert. Am letzten Tag seiner Ausbildung hat er den Rucksack gepackt und ist seitdem unterwegs. Das war vor 7 Jahren. Irgendwann wurde es ihm zu mühsam auf Busse und Züge und Schiffe zu warten und er stieg aufs Fahrrad. Im Augenblick fährt er von Shanghai über Russland, die Mongolei über Zentralasien nach England.

About Michaela Krimmer

35, anthropologist, Austrian, female

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