day 8: reich beschenkt

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Wenn ich durch Tadschikistan reise, schaut es so aus als ob dieses Land vergessen wurde. Von Gott, von der Regierung, vom Rest der Welt. Hellbraune, trockene Berge reihen sich aneinander. Manchmal durchzieht ein roter Erdstreifen die Monotonie. Die Hitze brühtet, kein Wölkchen am Himmel. Wachsen tut hier so gut wie nichts. In den engen Tälern fließen reißende Bäche dahin, die braun und grau sind vom Schlamm, den sie von den steilen Berghängen abwaschen. Ab und zu gibt es Siedlungen. Mit großem Geschick leiten die BewohnerInnen das Wasser aus dem Fluss und machen das sonst dürre Land fruchtbar. So mischt sich ein wenig Grün in das trockene Hellbraun.

Eine der Hauptstraßen des Landes von der Hauptstadt Duschanbe zur zweitgrößten Stadt Khojand ist nach 20 km eine Schotterpiste, die sich zuerst über einen Bergpass von über 2000 m und dann an steilen Berghängen entlang schlängelt.

Alles ist staubig auf dieser Tour. Das Auto draußen, das Auto drinnen, die Luft im Auto, die Luftröhre, die Haare, die Haut, die Hose.

Tadschikistan wurde nicht reich beschenkt. Nicht von Gott, als er die Erde schuf und fruchtbare Wiesen verteilte, nicht mit einer Regierung, die Straßen baut. In diesem hintersten Teil der Welt liegt im hintersten Teil Tadschikistans die Stadt Panjikent. 5 Kilometer weiter liegt die Grenze nach Usbekistan, doch die hat der Nachbar dicht gemacht. Die zentralasiatischen Länder gönnen sich gegenseitig wenig. Der eine dreht die Stromversorgung ab – und das bei bitterkalten Wintern -, die andern wollen ihr Wasser nicht teilen, sein Öl möchte man schon gar nicht hergeben. Und Usbekistan möchte nicht seine TouristInnen aus dem nahe gelegenen Samarkand teilen. Und so liegt Panjikent tatsächlich am Ende Tadschikistans.

In diesem kargen Winkel der Erde suche ich ein Zimmer: Als ich den Fahrer des Autos bezahle, der mich hierher gebracht hat, legt er die Hand aufs Herz und verringert den Preis um 10 Somoni (1,50 Euro). Der Vermieter meines Zimmers ruft innerhalb von 5 Minuten eine junge Schweizerin an, die mir eine geniale Wanderroute erklärt, die ich alleine gehen kann. Am Weg würden zwei Zeltlager liegen, bei denen man übernachten könne und bewirtet würde. Das alles erzählt sie mir in einem kleinen Teehaus. Als wir zahlen wollen, sagt der Kellner nur:“ Ihr seid unsere Gäste, ihr zahlt nichts.“ Tadschikistan beschenkt mich reich.

About Michaela Krimmer

35, anthropologist, Austrian, female

2 Responses

  1. Monika

    hmmmhhh, genau solche Momente liebe ich beim Reisen. Die Menschlichkeit, die ich hier oft vermisse. Vielen Dank für diese Geschichte. Ich freu mich für dich! Sehr schön!

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  2. Edith Knogler

    Ein sehr beeindruckender Reisebericht, besonders Deine Bildberichte zur Sowjet-Architektur sind bemerkenswert…Ich hoffe, Du führst Deinen Blog in dieser Art weiter – bin täglich neugierig auf Deine Berichte. Alles Liebe, Edith Knogler

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